Die „Tier-WG“ auf dem Campus Häder

Die „Tier-WG“ auf dem Campus Häder

Ressourcenschonend, umweltfreundlich, nachhaltig, kostengünstig, experimentell, innovativ, spektakulär, einmalig in Deutschland, zukunftsweisend, mit möglichst wenig fremder Hilfe zu realisieren, …

 

All das soll sie sein, unsere „Tier-WG“, die wir auf dem Gelände des Campus Häder der Montessori-Schule Dinkelscherben bauen wollen. 2017 entstand des erste von drei turmartigen Gebäuden, das unsere Hühnerzucht ermöglicht. Wir möchten einen Beitrag zum Erhalt der vom Aussterben bedrohten Nutztierrasse „Augsburger Huhn“ leisten, die wir an unserer Schule halten. Für die Zucht war jedoch ein begehbarer Stall nötig.

 

Die Idee mit Material zu arbeiten, das nahezu kostenfrei zur Verfügung steht, hat für ein Bauvorhaben, bei dem sehr beschränkte finanzielle Mittel zur Verfügung stehen, sicherlich schon einmal einen gewissen Charme. Alte Autoreifen kann man gegen Abholung kostenfrei bekommen, die zur Befüllung benötigte Erde liegt bereits auf dem Gelände bereit. Maschinen werden nur relativ wenige gebraucht, stattdessen viele helfende Hände, die auch Laien gehören dürfen.

 

Die Reifen werden mit Erde befüllt, die komprimiert wird, bis die Reifen hart und schwer werden. Überlappend verbaut bilden die Reifen aufgrund ihrer großen Auflagefläche und ihres Gewichtes eine sehr stabile Mauer.

 

Die Dachkonstruktion ist eine Drahtkuppel, in die aus bunten Glasflaschen erstellte Bottlebricks integriert werden, mit denen interessante Lichteffekte erreicht werden können.

 

Die optische Gestaltung lässt viele kreative Lösungen zu.

Für die Arbeit mit Schülern bietet sich die Bauweise unter anderem auch deshalb an, weil sie viele pädagogische Ansätze bietet. Es müssen keine Fremdfirmen beauftragt werden. Das Stapeln und Befüllen der Reifen ist eine Arbeit, die keine besonderen Vorkenntnisse der Schüler verlangt. Die Investitionen in das benötigte Werkzeug halten sich in Grenzen. Teamwork ist hier gefragt. Die Identifikation mit dem Projekt ist schon in der Planungsphase hoch. Es entspricht den Jugendlichen in dieser Altersphase unkonventionell vorzugehen und etwas wirklich Besonderes zu schaffen. Vermutlich gibt es deutschlandweit kein vergleichbares Projekt. Unsere Umsetzung des Erdkinderplans ist bereits einmalig und hier bietet sich eine weitere Gelegenheit auf unsere Schule aufmerksam zu machen. Das ist uns auch bereits durch einen Beitrag des Fernsehsenders atv gelungen, der das Projekt in seiner Sendung „Land und Leute“ vom 1.5.2017 vorgestellt hat.

 

In Kreßberg  bei Schwäbisch Hall steht Deutschlands erstes und bisher einziges Earthship-Gebäude nach den Plänen von Michael Reynolds. In diesem Null-Energie-Haus besteht die Rückwand ebenso aus Altreifen und es wurden Glasflaschen eingearbeitet.


Wir hatten die Gelegenheit das Gebäude zu besichtigen und können nach Planungsgesprächen auf eine Zusammenarbeit mit kompetenter Unterstützung setzen. Denn Experten in dieser ungewöhnlichen Bauweise sind rar.

 


Im bitterarmen und häufig von Erdbeben erschütterten Kolumbien hat die Umweltaktivistin Alexandra Posada die Bauweise mit Altreifen als kostengünstiges und erdbebensicheres Bauen etabliert.

 

Auch unsere Partnerschule in Tibet ist ständig von Erdbeben bedroht. Die tibetischen Nomaden kennen bislang keine erdbebensichere Bauweise. Die aufwändige Technik mit Holz und sehr massiven Betonfundamenten, wie sie zum Beispiel im technisch hochentwickelten Japan angewandt wird, können sich die Tibeter nicht leisten. Nicht recycelte Altreifen stellen aber in allen Entwicklungsländern ein Umweltproblem dar. Deshalb würde sich anbieten wie in Kolumbien auch in Tibet die Chancen zu nutzen. Uns schwebt ein Know-How-Transfer nach Tibet vor, nachdem wir unsere Erfahrungen mit dem innovativen Baustoff gemacht haben. Damit übernehmen wir mit unseren Schülerinnen und Schülern ein Stück weit Verantwortung für die Probleme unserer globalisierten Welt. Unsere Jugendlichen, als die Generation von morgen, identifizieren sich stark mit dieser Aufgabe.

 

Lasst uns miteinander Gummi geben!

Sebastian Kretschmann